Mit seinem Buch „Die sozialen Grenzen des Wachstums“ hat Fred Hirsch die Skizze einer interdisziplinären Theorie der gegenwärtigen westlichen Industriegesellschaften vorgelegt. Wesentliche gesellschaftliche Strukturprobleme, die bislang eher an den Rändern der zuständigen wissenschaftlichen Teildisziplinen sichtbar wurden, geraten dabei, ihrer Bedeutung entsprechend, in den Mittelpunkt der Analyse. So hat die eine der beiden von Hirsch analysierten sozialen Wachstumsgrenzen, die durch Überfüllung erzeugte „soziale Knappheit“ bestimmter Güter, eine ökonomische, politologische, soziologische und philosophische Dimension. Erst in ihrem Zusammenhang machen diese Dimensionen Ursachen und Folgen von Entwicklungsrisiken der westlichen Industriegesellschaft und Wege ihrer möglichen Lösung sichtbar. Hirschs Analyse des liberalistischen Dilemmas, daß gegenwärtig individuelle Ziele durch individualistisches Handeln immer weniger treffsicher erreicht werden können, führt zu einer „idealistischen“ Wende in der Sozialwissenschaft und möglicherweise auch in der Politik. Legitimationsfragen, so insbesondere die Frage der Gerechtigkeit, gewinnen für die Lösung zentraler Strukturprobleme nämlich erheblich an Bedeutung. Während vordem das Funktionieren gesellschaftlicher Systeme als Element ihrer Legitimation galt, zeigt Hirsch, wie zunehmend Legitimation Voraussetzung für erfolgreiches
Funktionieren wird. Hirschs interdisziplinärer Ansatz eröffnet neue Wege für sozialwissenschaftliche Forschung und Aufklärung.