摘要:Die Konjunktur des Generationenkonzepts ist unübersehbar. Generationen sind in aller Munde. Auf dem Büchermarkt und im Feuilleton, im Konsum- und Freizeitverhalten, von den elektronischen Medien ganz zu schweigen, springen uns immer neue modische Generationsetiketten und -einfälle an. Im Mittelpunkt der ökonomischen und bevölkerungspolitischen Debatte steht das Thema der Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Und selbst in die Literatur ist es zurückgekehrt, werden doch gerade von jüngeren Autoren wieder Familienromane und Generationengeschichten geschrieben. "Doch auch in den Kultur- und Sozialwissenschaften bis hin zur Wissenschaftsgeschichte begegnen wir immer häufiger Arbeiten zur Generation", heißt es im Vorwort dieses Bandes, "häufiger allerdings Untersuchungen entlang der Generation (als Narrativ oder historiografischer Kategorie), weitaus seltener solche über die Generation (als Deutungsmuster oder Repräsentationsmodell verschiedener Diskurse, Disziplinen und Episteme)." (S. 7) Denn das heute dominierende Verständnis von Generation ist von den Konzepten geprägt, die in den 1920er-Jahren entwickelt wurden. Danach bilden Generationen Jahrgangsgruppen und Erfahrungseinheiten. Die genealogische Bedeutung des Begriffs ist dabei in den Hintergrund gedrängt worden. "Aber nicht nur die genealogische Semantik von 'Generation' ist vergessen worden, sondern mit ihm auch die Genealogie des Konzepts. In erkenntnistheoretischer Perspektive zeichnet sich der Begriff der Generation nämlich dadurch aus, daß er sowohl - in diachroner Perspektive - Konstellationen der Herkunft, Generierung oder Erbschaft, also der Genealogie, als auch - in synchroner Perspektive - Operationen der Einteilung, Abgrenzung und Identifizierung, also der Klassifizierung, beschreibt." (S. 7)
关键词:Gerd Dietrich, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin